Archiv für die Kategorie „Welterbe“

Die Nachtreter

Freitag, 26. Juni 2009

Das der Bundestagsabgeordnete Jan Mücke ein eher taktisches Verhältnis zur Wahrheit hat, habe ich ja schon mal thematisiert. Nachdem die Dresdner FDP neulich von geplanten Krawallen von Brückengegnern anlässlich des Obama-Besuchs phantasiert hat, versucht sie heute, diesen die Verantwortung für die Aberkennung des Welterbetitels zuzuschieben.
Das war ja zu erwarten!
Wie weit her es mit der Wahrheitsliebe dieser Partei ist, zeigt übrigens auch ein Eintrag auf ihrer Homepage zur Parteigeschichte, wonach ihre Vorgängerpartei LDPD “die politischen und wirtschatlichen Verhältnisse in der DDR als erste Partei” kritisiert habe. Wow! Da fragt man sich, warum die FDP sich heute so über die SED-Nachfolgepartei aufregt, wenn die DDR doch anscheinend die erste Diktatur mit offiziellen Oppositionsparteien war!
Zwei Dinge wollen die Dresdner Liberaldemokraten einfach nicht begreifen:
Der Welterbetitel ist kein reines Marketinginstrument, sondern er stellt eine Verpflichtung dar. Das bedeutet, dass man Regeln einhalten muss. Wenn man diese Regeln bricht – selbst wenn es demokratisch beschlossen wurde – hat das nun mal Konsequenzen. Die FDP verhält sich wie ein Fußballspieler, der ein grobes Foul begeht, dafür vom Platz gestellt wird und sich anschließend beklagt, dass die FIFA schuld sei, weil sie so doofe Regeln gemacht habe. Dass die Regeln die Voraussetzungen des Spiels sind, hat die FDP nicht begriffen.
Und: Es geht um ein kulturelles Erbe der Menschheit. Was das ist, versteht die FDP auch nicht. Das werden diese Leute wahrscheinlich auch niemals verstehen.

Titelverlust

Donnerstag, 25. Juni 2009

Und damit das klar ist: Diejenigen, die behauptet haben, dass Waldschlößchenbrücke und Welterbetitel miteinander vereinbar sind, haben die Unwahrheit gesagt.
Niemand außer der CDU-FDP-ADAC-Allianz trägt die Verantwortung für den Verlust des Welterbetitels. Sie werden was anderes behaupten und den Schwarzen Peter anderen zuschieben wollen.
CDU und FDP haben ein kulturelles Erbe der Menschheit zerstört. Das sagt viel über diese Parteien aus.

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Samstag, 21. Februar 2009

Die Stadt zum Waldschlößchenbrückenbau: “Gegenüber dem vertraglich vereinbarten Preis von 10,2 Millionen Euro brutto für den Stahlbau ergibt sich eine Kostenerhöhung von 14,9 Millionen Euro, die aufgrund der bisherigen Ausschreibungsergebnisse noch im Budget für das Gesamtvorhaben von 133 Millionen Euro lag.”
Wieso finde ich nur, dass man dazu nichts mehr sagen muss?

Letzte Gefechte?

Montag, 8. September 2008

“Die Grünen versuchen es nochmal”, schreibt heute die Morgenpost. Am Donnerstag wollen sie am Stadtrat einen Stopp des Waldschlößchenbrückenbaus erreichen. Am Freitag wird außerdem im Landtag ein Antrag von den Grünen behandelt, nach dem die sächsische Staatsregierung sich für die Ermöglichung des Bürgerentscheides über einen Elbtunnel und für den Baustopp einsetzen soll. Außerdem soll sie sich gegenüber der Bundesregierung dafür einsetzen, dass diese sich um die Erfüllung der betreffenden völkerrechtlichen Pflichten bemüht.
Irgendwann ist mal der Punkt erreicht, wo man alle Hoffnungen fahren lassen muss – und ich bekenne mich dazu, dass ich an eine Wende nach dieser Woche echt nicht mehr glaube. ABER auch in Zukunft wird man ja wohl zu Protokoll geben dürfen, dass man den Welterbetitel für wichtig und diese Brücke für einen Fehler hält. Soll keiner sagen, es hätte keinen Widerspruch gegeben.

Sang- und klanglos darf man diesen Titel jedenfalls nicht abgeben, denn Dresden wird ja allmählich zum Lehrstück. Welterbestätten sind auch woanders gefährdet – beispielsweise im Oberen Mittelrheintal (auch durch einen Brückenbau). Dresden verdirbt anscheinend gerade ein wenig die Preise.

Das zeigt sich auch an einem Ausspruch des tschechischen Premierministers im Zusammenhang mit Plänen, das Prager Altstadt-Panorama durch Wolkenkratzer zu verschandeln: “Notfalls geben wir den Welterbetitel selbst zurück.” Kommt uns in Dresden doch recht bekannt vor – auch der tschechische Regierungschef betrachtet den Titel als Wanderpokal. Immerhin ist er aber ein Regierungschef… in Dresden dagegen glaubt ja bereits jeder Stadtteiltrottel, die Berechtigung zur Titelrückgabe zu besitzen.

Ja, verdammt nochmal, JA zum Welterbe!

Freitag, 22. August 2008

Immer wenn in der Neustadt bunte Tücher rausgehängt wurden, um zu zeigen, dass man gegen Nazis ist, war ich verunsichert, wann denn der richtige Zeitpunkt war, das Tuch wieder reinzuholen… Zu frühes Abhängen hätte vielleicht auf ein Erlahmen des antifaschistischen Widerstandes schließen lassen können, zu langes Hängenlassen wiederum wäre auch nicht gut gewesen, denn dann hätte man ja vielleicht sowas wie eine, sagen wir mal, hilflose Geste darin erkennen können…
Ich habe mir daher bislang auch keines der allenthalben zu sehenden blau-weißen Banner ins Fenster gehängt, denn da wäre ja auch die Frage: Wann um Himmels willen ist denn der richtige Zeitpunkt zum Abhängen?
Irgendwann ist ja mal Schluss – und dann muss man es auch sagen. Lässt man dann so ein Banner noch als Mahnmal hängen? Ist ja auch irgendwie komisch. Macht man””””””””s am Titelverlust fest? Aber könnte man Bannerhissen bei fortschreitendem Brückenbau auch nicht so verstehen, dass man darum bittet, den Titel nicht abzuerkennen, egal, was passiert? Wäre dann vielleicht irgendwann der Zeitpunkt erreicht, wo also die Brückengegner das Banner abhängen sollten, während die VertreterInnen (z.B. Frau Orosz) der These von der Vereinbarkeit von Welterbe und Brücke es gerade dann raushängen sollten, wenn der Bau irreversibel ist?
Jedenfalls bemühen sich die Grünen weiterhin um einen Baustopp, und heute konnte man in der Zeitung lesen, dass eine knappe Mehrheit in Dresden für den Tunnel wäre, wenn der Bund die Mehrkosten bezahlen würde…
Ich nehme mal an, dass die Brückenbauer darauf verweisen werden, dass eben das nicht der Fall sein wird – statt sich gegenüber der Bundesregierung dafür einzusetzen, ebendies zu tun. Die Kanzlerin gehört der selben Partei an wie die Oberbürgermeisterin… Die Bundesregierung wird von denselben Parteien gestellt wie die sächsische Staatsregierung… Könnte da was gehen? Ob die OB auch mal nach Berlin einen Brief schicken könnte statt nach Paris?

Aber die Union tickt anders, denn Ihr Dresdner Chef sagte in seiner letzten Pressemitteilung:

“Aus heutiger Sicht hätten wir den Antrag nicht stellen sollen.”

Na, dann ist ja alles klar. Großartig auch folgende dialektische Leitung:

“Dresden ist und bleibt Welterbe, allein der Kultur und Landschaft wegen.”

Darauf, dass man Kultur und Landschaft auch bewahren müsste, damit Dresden Welterbe bleibt, darauf kommt der gute Lars Rohwer freilich nicht…

Saloppe

Mittwoch, 6. August 2008

Tja, den Verdacht hatte ich ja schon länger, dass, wenn man was verkauft, man auch keinen Einfluss mehr darauf hat ? nachdem der Dresdner Finanzausschuss das Saloppe-Gelände bereits im Herbst vertickt hat, geht es jetzt der Saloppe an den Kragen.
Zwar wird uns jetzt eine sensible Bebauung versprochen, aber trotzdem scheinen in Fragen, die den Elbhang betreffen, mehr und mehr die Dämme zu brechen. Ausgerechnet der Oberbrückenbauer Hans-Joachim Brauns (CDU) betont jetzt, dass die Bebauung ?stets vorgesehen gewesen? sei ? ein irgendwie schon vertraut klingendes Argument: Wenn etwas nicht ?immer so? war, dann war es zumindest ? Dresdner Konservatismus ist dialektikfähig! ? ?immer schon vorgesehen?. Tradition als Legitimation ? darauf kann man in Dresden nicht verzichten, weshalb ja auch die derzeitigen Bauarbeiten an der Brücke als Verwirklichung jahrhundertelanger Planungen verkauft werden müssen (eine interessante Forschungsaufgabe für Architekturhistoriker).
Naja, Herr Brauns geht wahrscheinlich ? anders als viele Dresdnerinnen und Dresdner ? nicht in die Saloppe. Dass da was flöten gehen könnte, was den Menschen hier lieb und teuer ist, hat hingegen (die keinesfalls tumbe) Helma Orosz bemerkt und versprochen, sich für den Erhalt der Saloppe einzusetzen ? hierzu ein aufschlussreiches Video vom diesjährigen Saloppe-Seifenkistenrennen.
Die Frau ist so was von integrativ und harmoniestiftend, dass sie nicht nur Welterbe und Brücke miteinander vereinbaren kann, sondern auch Wohnbebauung und Saloppe! Wahnsinn!

P.S.:
Mein Parteifreund aus NRW Michael Vesper im ?Weltspiegel?:
?In jedem Land der Welt, auch in der Bundesrepublik Deutschland, werden Internetseiten gesperrt. Bei uns sind es rechtsradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden.?
Mittlerweile fühlt er sich missverstanden ? ich fühle mich in meiner Wahrnehmung des Menschenschlags ?Sportfunktionäre” bestätigt. Würg!

Sozialdemokratische Dialektik

Freitag, 11. Juli 2008

Heute im Landtag: Die GRÜNEN stellen einen dringlichen Antrag, dass die Staatsregierung sich für den Erhalt des Welterbes, einen Baustopp und die Durchführung des legitimen Bürgerentscheids über einen Elbtunnel einsetzen soll. Die Dringlichkeit wird damit begründet, dass eine Entscheidung nach der parlamentarischen Sommerpause zu spät käme (naja, oder WENN man doch noch den Forderungen des Welterbekomitees entsprechen würde, hätte man einiges an Rückbau gespart..). Der Landtag lehnt aber die Dringlichkeit des Antrags ab – somit wird er gar nicht erst verhandelt.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Dulig betont, er sei auch für einen Baustopp. Seine Fraktion lehnt aber wie CDU und FDP die Dringlichkeit ab. Sozialdemokratische Dialektik: Für den Baustopp sein, nur nicht heute! Mehr so prinzipiell, aber nicht praktisch.
Womöglich wird sich die SPD aber trotzdem mal dafür feiern lassen, dass sie einen Baustopp erreicht hat – nämlich wenn die Brücke fertig ist!

Welterbe

Freitag, 4. Juli 2008

Da hätte man sich in der CDU vielleicht besser abstimmen sollen: Die designierte Oberbürgermeisterin Helma Orosz findet die Entscheidung des UNESCO-Welterbekomitees, Dresden den Titel noch nicht abzuerkennen und die Chance zum Baustopp zu geben, “falsch”, “unverständlich” und “ungerecht” – doch die Bundesregierung begrüßt die Entscheidung.
Den Vorschlag des ADAC-Funktionärs Köhler-Totzki, den Titel “zurückzugeben”, findet H.O. mittlerweile auch erwägenswert. Na, das geht ja schneller mit dem Wortbruch (vgl. ihr Wahlprogramm, S. 16: “werde ich mich… für den Erhalt des Weltkulturerbetitels einsetzen”) als gedacht!

Dass der Welterbetitel was anderes ist als ein x-beliebiger Wanderpokal werden diese Herrschaften offenbar niemals begreifen.

Und was Arnold Vaatz vom Völkerrecht hält, machte er heute im Interview mit dem Deutschlandfunk deutlich, als er von der UNESCO als “Organisation” sprach, vor der er “nur warnen” könne.
Folgende Prognosen des Arnold Vaatz wollen wir uns mal merken:

Frage: Aber möglicherweise verändert die Brücke ja das Stadtbild? Darum geht es ja.

Vaatz: Ja. Die Brücke wird das Stadtbild verändern und ich bin sicher, dass die Brücke in zwei oder drei Jahren zu einem nicht mehr hinweg zu denkenden Bestandteil des Stadtbildes geworden ist. Sie wird eine Brücke sein, die in Deutschland zu den landschaftsverträglichsten und schönsten Brücken gehören wird, die neu gebaut worden sind. Spätestens dann wird die Unesco ihr Gesicht völlig verloren haben, wenn die ganze Welt darüber lachen wird, aus welchem Grund sie der Stadt Dresden diesen Titel streitig gemacht hat.

Frage: Also Sie sehen das Ganze eher umgekehrt? Man wird sich vielleicht an die Brücke gewöhnen. Aber dadurch muss es ja nicht schöner werden?

Vaatz: Es wird aus meiner Sicht schöner und das werden Ihnen in einigen Jahren alle bestätigen oder der größte Teil der Kenner der Stadt Dresden bestätigen. Diejenigen, die die Brücke zu so einem Monstrum aufgeblasen haben, was sie nicht ist, werden alle blamiert dastehen und werden nichts mehr von ihrer vorhergehenden Meinung wiederholen. Das ist meine feste Überzeugung. Die Unesco selber glaube ich hat diesen Beschluss heute genauso wenig ernst gemeint, wie sie ihre drei vorangegangenen Beschlüsse ernst gemeint hat. Sie hat nämlich wiederum der Stadt Dresden den Titel jetzt deshalb nicht entzogen, weil sie ihr Erpressungspotenzial gegenüber der Stadt aufrecht erhalten will. Sie wird den Titel am Ende wahrscheinlich auch nicht entziehen, wenn die Brücke steht. Sie wird genauso ihre Meinung wechseln, wie sie bisher ihre Meinung ständig gewechselt hat, weil sie ihren Einfluss auf die Stadt Dresden nicht aufgeben will. Es ist also ein ganz klarer Baustein im Machtkalkül dieser Organisation, vor der ich nur warnen kann.

Ist das nicht großartig? Und wer mir noch den folgenden Senf erklären kann, kriegt von mir den Weltschlaubergertitel ohne Rückgabeoption:

Frage: Andererseits gibt es ja eine Alternative, die vielleicht nicht nur akzeptabel, sondern auch besser wäre. Das wäre der Weg mit einem Tunnel unter der Elbe hindurch.

Vaatz: Man kann auch versuchen, die Elbe durch einen Tunnel von Berlin nach Prag zu überqueren. Das bedeutet dann allerdings für die Leute einen gewissen Umweg, den sie fahren müssen, um erst mal zum Tunneleingang zu kommen und dann vom Tunnelausgang zur Stadt zurückzukehren. Das ist eine völlig unsinnige Überlegung, die in keiner Weise die Chance hat, realisiert zu werden – alleine aus der Tatsache heraus, dass beispielsweise die geodätische Lage der Stadt Dresden diesem Gedanken vollkommen widerspricht.

Alles klar?