Statt eines Leserbriefs

Ich bin seit schon so einigen Jahren Abonnent der Sächsischen Zeitung. Weil ich in der Straßenbahn gerne lokale Nachrichten lese und man das Papier zum Einwickeln von Biomüll gebrauchen kann.
Ich erwarte auch gar nicht, dass ich aus einem Lokalblatt erfahre, was wirklich wichtig ist in der Welt. Auch dass die “SZ” nicht gründlicher und ausführlicher über die Landespolitik informiert, als es das vermutete Interesse ihrer Leserinnen und Leser erfordert, will ich ihr mal nicht verübeln. Der Kunde ist schließlich König, und dieser Monarch tickt vermutlich mehrheitlich anders als ich.
Aber bitte, liebe SZ: Wenn Ihr nix zu schreiben wisst, dann lasst doch einfach ein paar Bäume mehr am Leben!
Ich habe den Überblick über “Serien” wie die über den Laufsport in Dresden, Dresden bei Nacht usw. usf. verloren. Es gibt eine Glücks-Serie, in der man lesen kann, dass beispielsweise die Familie die Sachsen bzw. die Dresdner glücklich macht usw. Wow! Wer hätte das gedacht?
Das blättert sich alles schnell weg, macht aber mein Abo nicht billiger.
Zwei Seiten opferte die Redaktion neulich der Berichterstattung darüber, dass sie den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung erhalten hat. Herzlichen Glückwunsch! Mehr muss man dazu nicht kommentieren.
Und jetzt noch ein Klassiker: Die jährliche Suche der Herren Uwe Steimle, Tom Pauls und Dr. Peter Ufer nach den sächsischen “Wörtern” des Jahres! Das schönste sei “Dächdlmächdl”, das bedrohte “Forblämbern” und das beliebteste “Gelumbe”. Da scheinen den Sachsen wohl die Wörter ausgegangen zu sein. Während sie früher noch Eigenkreationen wie die Schmieche, den Hader oder das Feensen vorzuweisen hatten, müssen sie jetzt gängige deutsche Wörter heranziehen, die ohne weiteres im Duden (Techtelmechtel, verplempern, Gelumpe) zu finden sind und lediglich durch die einschlägig veränderte Aussprache zu “sächsischen Wörtern” gemacht werden.
Mit dieser Logik lassen sich natürlich “sächsische Wörter” ohne Ende kreieren. Und jedes könnte man für weitere Festveranstaltungen und Aufsätze, die die Eigentümlichkeit und Originalität sächsischer Sprachschöpfung und damit sächsischen Wesens feiern, zum Anlass nehmen. Der ganze Duden ist voll mit Wörtern, die durch die Verpapschung harter Konsonanten und die Unterdrückung von Umlauten zu ursächsischen Vokabeln umgemodelt werden könnten. Ich hätte schon mal einen Vorschlag: forbleedet.

1 Kommentar zu „Statt eines Leserbriefs“

  1. admin says:

    Ich glaube ja nicht, dass das auf meinen Einfluss zurückzuführen ist, aber in diesem Jahr hat die SZ tatsächlich statt angesächselter deutscher Wörter echte regionale Eigenheiten ausgezeichnet: “Bladsch”, “Eiforbibsch” und “Dämse”. Muss man an dieser Stelle auch mal anerkennen!

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