Das Plakative ist eigentlich nicht so meins

Ich habe mich in diesem Blog schon öfter darüber ausgelassen, dass engagierte Mitglieder der Parteien dazu neigen, den Wahlkampf in den sozialen Medien zum Thema ?an sich? zu machen.

Stolz vermelden sie die Zahl der gehängten Plakate, beklagen später Vandalismus. Andere Betrachter*innen freuen sich über Fehler beim Hängen, viele beklagen sich über die Vielzahl der Plakate, einige aber auch darüber, dass ihre jeweilige Lieblingspartei ihnen nicht präsent genug erscheint (solche Beschwerden gehen auch in den Geschäftsstellen ein). Und schon wenige Tage nach Wahlkampfbeginn sind sehr viele von diesen Begleitumständen der Demokratie schwer genervt.

Gerade weil Wahlkampf ist, möchte ich mich (wie schon früher) für die künftige Reduzierung der in der Stadt gehängten Plakate aussprechen. Das könnte man mit dem Anspruch verbinden, dass alle Parteien die gleiche Höchstzahl an Plakaten, die sie hängen dürfen, zugesprochen bekommen. So wird verhindert, dass finanzstarke Parteien allein dadurch einen Vorteil erlangen, dass sie flächenmäßig kommerziell hängen lassen (wogegen kleine Parteien, die auf wenige Mitglieder angewiesen sind, nicht ankommen). Außerdem würde der Ressourcenverbrauch begrenzt und Abfall vermieden.

Ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen, denn es dürfte schwierig sein, die Zahl der gehängten Plakate zu kontrollieren. Mit diesem Schritt könnten weitere Nachteile vermieden werden: die ?Zuplakatierung? der Stadt, der Anblick zerstörter oder verunstalteter Plakate, gelegentliche Gefährdungen des Straßenverkehrs durch Störung der Sicht auf Ampeln und Verkehrszeichen und der Stress mit dem Abhängen nach dem Wahltermin.

Der Schritt bestünde in der Aufstellung von Großflächen, die in Einzelfelder aufgeteilt würden, an zentralen Plätzen mit starkem Publikumsverkehr. Jede Partei bekäme pro Großfläche ein Einzelfeld zugewiesen, wo sie ihr Plakat hinkleben könnte. Ich würde sogar für möglichst viele Großflächen plädieren, um den Parteien zu ermöglichen, verschiedene Motive zu plakatieren. Der ästhetische Schaden bliebe begrenzt: Das Hängen von Plakaten bliebe nämlich untersagt mit der Ausnahme (!) von Veranstaltungsplakaten. Außerdem könnten weiterhin Großflächenplakate aufgestellt werden.

Die Stadt sollte dies per Satzung regeln können, nehme ich an. Mit dieser Kombination ? Großflächenplakate, gehängte Veranstaltungsplakate und gemeinsam genutzte Großflächen ? müsste man nicht befürchten, den demokratischen Wettbewerb der Parteien einzuschränken. Im Gegenteil: Sie hätten mehr Zeit für Aktivitäten, bei denen sie mit den Bürger*innen ins Gespräch kommen (Infostände usw.) und mehr Geld für Materialien, die für die Wählerin oder den Wähler wirklich informativ sind (thematische Flyer, Kurz- und Langfassungen der Wahlprogramme).

Ich sage das alle Jahre wieder, aber auch mein Einfluss ist sehr begrenzt. 😉

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