Kultur, mehr oder weniger hoch

Vor fast zwei Wochen habe ich dem Deutschen Musikrat eine E-Mail geschrieben und keine Antwort erhalten. Na gut, dann werte ich das eben hier aus…

Am 2. Dezember veröffentlichte der Deutsche Musikrat die folgende Pressemitteilung:

„Stadtrat gefährdet Dresdner Philharmonie

Wenige Monate vor der Eröffnung des neuen Konzertsaals in Dresden hat der Stadtrat beschlossen, der Dresdner Philharmonie den Doppelhaushalt 2017/18 um jährlich 250.000 Euro zu kürzen. Erst Ende September wurde das Nutzungskonzept für den Kulturpalast samt Haushalt vom Stadtrat gebilligt. Die Streichung der zugesagten Förderung bringt nun die Spielfähigkeit des Orchesters unter der Leitung von Michael Sanderling in Gefahr.
Hierzu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Wenn das Ergebnis von parteipolitischen Machtaushandlungen, kulturpolitische Fehlentscheidungen wie die vom Dresdner Stadtrat zur Folge haben, zeigt dies eine erschreckende Verantwortungslosigkeit gegenüber der Zukunftsfähigkeit dieser Kulturmetropole. Ausgerechnet in Dresden mit seinen unendlichen kulturellen Schätzen und Potentialen spielt diese Anti-Kulturpolitik den Rechtspopulisten in die Hände. Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik - gerade auch in Dresden. Der Deutsche Musikrat fordert den Stadtrat auf, die Entscheidung zu revidieren und der Dresdner Philharmonie, auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Eröffnung des neuen Konzertsaals, eine langfristige Bestandsgarantie zu geben.”

Berlin, 02. Dezember 2016“

Meine E-Mail dazu lautete so:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
 
als Dresdner Bürger habe ich die Information, dass das Budget der Dresdner Philharmonie von 14,9 Mio. Euro (2016) auf 18,4 Mio. Euro (2017) erhöht werden soll. Können Sie mir erklären, wie Prof. Höppner hierin eine Kürzung erkennen kann?
 
Da Sie rechtspopulistische Tendenzen anführen, möchte ich Sie darüber hinaus fragen, welchen Beitrag die Philharmonie bisher zur Eindämmung des Rechtspopulismus geleistet hat und ob Sie es als eine sinnvolle Alternative betrachten, zugunsten der Philharmonie bei der Soziokultur zu kürzen?
 
Mit freundlichen Grüßen“

Soweit dazu.

Was mich ärgert und besorgt, ist der Tonfall der Vertreter der Hochkultur – auch in den lokalen Medien. Man mag Fehler ausmachen, aber die pauschale Unterstellung, die die Stadtratsmehrheit tragenden Parteien seien sowieso schon immer gegen die Hochkultur gewesen, wie es in Dresdner Zeitungen zu lesen stand, ist unfair gegenüber den Menschen in meiner Partei, die in der Vergangenheit die Umgestaltung des Kulturpalasts befürwortet haben.

Der politischen Kultur ist mit diesem Stil nicht gedient, und dann auch noch mit „Rechtspopulismus“ zu kommen, ist das Allerletzte. Dann muss ich wirklich sagen, dass Jugendhilfe und Soziokultur mehr gegen die Verrohung weiter Bevölkerungsteile bewirken als hochklassige Konzerte, die diese Menschen niemals erreichen. Diejenigen, die diese Bereiche gegeneinander ausspielen wollen, tun dies also mit den denkbar schlechtesten Argumenten.

Es ist nicht schön, wenn man Kultur im Feuilleton sucht und dort nur Pauschalurteile findet.

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